2016 – Licht und Schatten

Zum Ende des letzten Jahres bemerkte man vor allem in den sozialen Netzwerken eine gewisse Abneigung gegen das Jahr 2016 (“We don’t talk about 2016!”). Zum Teil sicherlich bedingt durch die (scheinbar?) gehäuften Todesfälle unter “Prominenten”. Beim Betrachten einer Fotostrecke zu den “Opfern” von 2016 war ich wirklich etwas erstaunt über die schiere Menge toter bekannter Persönlichkeiten. Ich war nie ein Fan von David Bowie, George Michael und Prince aber all diese Leute hatten zweifellos einen gewissen Einfluss auf unsere Gesellschaft und daher würde mir nie im Traum einfallen die Trauer bzw. das Bedauern von Menschen über deren Ableben in Frage zu stellen oder in irgendeiner anderen Form herabzuwürdigen. Mich werden beispielsweise die Tode von Paul McCartney und Brian Wilson härter treffen als oben genannte Beispiele, weil ich einfach ein großer Fan der Beatles und Beach Boys bin und deren Musik mich schon sehr lange begleitet.

Und wie lief mein Jahr 2016? Ich werde hier keinen Bericht abliefern sondern einfach darlegen wie ich das vergangene Jahr erlebt habe.

Das komplette Leben eines Menschen besteht aus Höhen und Tiefen und das lässt sich natürlich auch auf ein Lebensjahr herunterbrechen. (Die Tatsache, dass es der Mensch war der die Zeit in solche Abschnitte eingeteilt hat, lasse ich jetzt mal außen vor.) Ich würde daher nicht zurückblicken und das Resümee ziehen dass alles gut oder alles schlecht war. Nein, vielmehr erreichte ich immer wieder Talsohle und immer wieder den einen oder anderen Gipfel. Eine ganz und gar negative Sache war definitiv dass ich abermals ein Jahr beendet habe ohne eine Arbeit zu haben. Das komplette Jahr war von der Jobsuche geprägt und viele der eben erwähnten Talsohlen lassen sich damit in Verbindung bringen (familiär, finanziell, psychisch). Mein dunkler Schatten hat immer wieder an die Tür geklopft und mich immer wieder an meine Grenzen gebracht, konnte mich aber nie brechen. Ich habe in den letzten Jahren dazugelernt und eine Widerstandsfähigkeit erlangt die ich früher nie hatte. Telefongespräche, Vorstellungsgespräche usw. belasten mich weit weniger als das in meiner Vergangenheit der Fall war. Ebenfalls eine positive Entwicklung: ich lese. Und ich lese viel. Mehr als je zuvor in meinem Leben. 2016 habe ich mehr als 70 Bücher gelesen. Das Lesen und die Literatur im Allgemeinen hat 2016 einen hohen Stellenwert bekommen und diese Entwicklung macht mich sehr glücklich. Ich liebe es neue Autoren und Verlage zu entdecken, nach Büchern zu stöbern und Schnäppchen zu machen. Fast alle gekauften Bücher des letzten Jahres sind nämlich gebrauchte Exemplare. Dank der wunderbaren Elif bin ich nämlich auf Booklooker gestoßen und diese Seite ist zu meiner Hauptbezugsquelle geworden. Grob geschätzt würde ich sagen dass etwa 70-80% der gekauften Bücher 2016 von dieser Webseite stammen. Die Besuche bei Thalia und Hugendubel wurden durch Ausflüge ins Antiquariat ersetzt und das Stöbern dort ist zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen geworden. Das Ganze hat natürlich auch seine Schattenseiten. Bedingt durch die günstigen Preise auf solchen Plattformen und meine Neugier in Bezug auf Literatur habe ich 2016 sehr viele Bücher angehäuft und mein Stapel ungelesener Bücher ist deutlich schneller gewachsen als er durch das Lesen abnehmen konnte. Das ist eine Sache, die ich 2017 etwas einschränken möchte. Kein Buchkaufverbot, das wäre sinnlos. Aber überlegter und weniger spontan Bücher kaufen. Das sollte möglich sein. Noch gibt es ein paar Startschwierigkeiten in dieser Hinsicht aber ich bin trotzdem guter Dinge.

Und sonst so? Von Vorsätzen im klassischen Sinne halte ich gar nichts, die wenigsten davon werden in der Realität tatsächlich umgesetzt. Ich möchte lieber schrittweise vorgehen. Und der erste Schritt ist ganz klar: Arbeit finden. Nicht irgendeine Arbeit, sondern etwas dass zu mir passt. Alles andere ergibt sich dann von selbst, das Leben lässt sich keine Vorschriften machen und hält auch nicht viel von den Plänen die man ständig in Gedanken schmiedet.

Ich hätte gern eine Welt, in der das Ziel der Erziehung geistige Freiheit wäre und nicht darin bestünde, den Geist der Jugend in eine Rüstung zu zwängen, die ihn das ganze Leben lang vor den Pfeilen objektiver Beweise schützen soll. Die Welt braucht offene Herzen und geistige Aufgeschlossenheit, und das erreichen wir nicht durch starre Systeme, mögen sie nun alt oder neu sein.

(Bertrand Russell)

If it were possible adequately to present the whole of a culture, stressing every aspect exactly as appears in the culture itself, no single detail would appear bizarre or strange or arbitrary to the reader, but rather the details would all appear natural and reasonable as they do to the natives who have lived all their lives within the culture.

(Gregory Bateson)

Warum liest du?

Das hier ist ja kein Buchblog aber bei dieser Aktion von Tobi wollte ich dann doch mal mitmachen:

Warum liest du?

Warum nicht? 😉 Nein, im Ernst: Genauso könnte man mir die Frage stellen „Warum atmest du?“, Lesen gehört für mich einfach dazu seit ich denken kann und es ist für mich etwas ganz selbstverständliches.

Was liest du? Welche Genres bevorzugst du? Liest du auch Klassiker?

In der Tat habe ich in den letzten Jahren klar Klassiker bevorzugt. In letzter Zeit habe ich das aber etwas lockerer gesehen und auch mal „modernes“ gelesen. Im Großen und Ganzen bin ich aber da recht offen. Nur mit Young Adult und Fantasy kann ich so gar nichts anfangen. Hin und wieder lese ich auch Sachbücher und philosophische Texte.

Welche Autoren favorisierst du? Oder hast du keine bevorzugten Autoren?

Da wären so einige: Thomas Bernhard, Max Frisch, David Foster Wallace, William Butler Yeats, John Millington Synge, H.P. Lovecraft, Philip Roth und die Brontë-Schwestern. Früher habe ich sehr gerne Stephen King und Wolfgang Hohlbein gelesen. Ich mag aber auch ein paar us-amerikanische zeitgenössische Autoren wie Jonathan Franzen, Jeffrey Eugenides und Jonathan Safran Foer.

Wo liest du überall? Nur Zuhause, nur in der S-Bahn, überall, …?

Überwiegend zuhause im Bett. Aber ich nehme meist Bücher mit wenn ich das Haus verlasse, sogar wenn wir zum Einkaufen in den Supermarkt fahren. Besonders gerne lese ich während einer Zugfahrt, wenn es nicht allzu laut ist.

Liest du viel oder wenig? Wie viel Zeit verbringst du in der Woche mit Lesen? Wie viele Bücher liest du im Schnitt pro Monat/Jahr? Machst du auch längere Lesepausen?

Eigentlich lese ich zu wenig, finde ich zumindest. Ich messe die Zeit nicht und versuche mir auch keine Ziele a la „in diesem Monat lese ich 4 Bücher“ zu setzen. Manchmal lese ich tagelang kaum und dann wieder an einem Tag 200 Seiten. Wobei es auch sehr auf die Bücher ankommt die ich gerade lese.

Liest du schnell oder langsam? Wie viele Seiten liest du ungefähr in einer Stunde?

Auch hier muss ich sagen: ich zähle das nicht. Ich lese einfach bis ich keine Lust mehr habe.

Und auch hier kommt es aufs Buch an. Mit Sachbüchern lasse ich mir mehr Zeit, bei Büchern von Lovecraft oder Roth komme ich dagegen recht schnell voran.

Wie viele Bücher liest du in der Regel gleichzeitig?

3-5 im Durchschnitt. Aber nicht alle im gleichen Tempo. Ein Sachbuch liegt zum Beispiel schon seit November 2015 neben meinem Bett und darin lese ich nur alle paar Wochen.

Welche Formate bevorzugst du? Taschenbücher, gebundene Bücher, broschierte Bücher, Prunkausgaben?

Alles was mir in die Finger kommt, ich habe da keine Vorlieben.

Legst du Wert auf eine hochwertige Verarbeitung deiner Bücher? Spielt die Optik des Buches eine Rolle für dich?

Nein, die Optik eines Buches spielt für mich nur eine sehr untergeordnete Rolle. Natürlich finde ich es super wenn ein Buch sich schön im Regal macht aber nur der Optik wegen würde ich kein Buch kaufen und schon gar nicht lesen.

Liest du auch Ebooks? Wenn ja wie oft und welche Bücher?

Nein, ich besitze auch keinen Ebook-Reader und habe auch nicht vor mir einen zu kaufen.

Wo versorgst du dich mit neuen Büchern? Beim Buchhändler ums Eck? In der Bibliothek? Aus dem Bücherbus?

9 von 10 Büchern kaufe ich im Internet. Sowohl Buchhandlung als auch Bibliothek sind erst in der nächstgrößeren Stadt beheimatet und ich bin nicht mobil genug um diese regelmäßig zu besuchen. Außerdem leihe ich mir nur ungern Bücher aus.

Kaufst du auch gebrauchte Bücher?

Früher nie und heute ausschließlich. In den vergangenen Monaten waren wohl 8 von 10 Büchern die ich gekauft habe gebraucht. Meist von Booklooker, aber auch eBay und Amazon Marketplace. Ich gehe auch gerne in ein Antiquariat in Bamberg aber diese Gelegenheit habe ich leider nur selten.

Wieviel bist du bereit für ein gutes Buch auszugeben?

Da ich zur Zeit kaum Einkommen habe: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. 😉

Verleihst du Bücher? Wenn ja an wen und welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Selten. Was auch daran liegt dass wir nicht viel andere Leser in der Familie haben und diese dann eher einen anderen Geschmack als ich haben. Meiner Cousine leihe ich manchmal einen Murakami, das wars dann aber auch schon.

Wie viele Bücher hast du im Schnitt auf deinem Stapel ungelesener Bücher?

Ich habe nie gezählt kann aber ganz sicher sagen: zu viele.

Wo bei dir Zuhause hast du überall Bücher?

Nur in meinem Zimmer.

Wie sortierst du deine Bücher im Regal?

Bücher eines Autors stehen meist zusammen, ansonsten kommen die Bücher dahin wo gerade Platz ist.

Was nutzt du als Lesezeichen? Oder knickst du die Seiten ein?

Meist die Lesezeichen die man im Buchladen geschenkt bekommt oder ganz einfach ein gefalteter Zettel.

Wenn du mit dem Lesen pausierst, liest du dann das Kapitel immer zu Ende oder hörst du auch mal mittendrin auf?

Ich versuche das Kapitel zu beenden oder wenigstens bis ein Absatz kommt. Das geht leider nicht immer, vor allem Bücher von Thomas Bernhard machen es einem da schwer.

Worauf achtest du beim Kauf eines Buchs? Was für Kriterien muss ein Buch erfüllen, damit du es dir kaufst? Spielt der Verlag eine Rolle?

Es muss mich einfach nur interessieren. Aber auch der Schreibstil spielt eine gewisse Rolle. Ich mag den Suhrkamp Verlag lese aber natürlich auch Bücher aus anderen Verlagen.

Wirfst du Bücher in den Müll?

Nein, ich zünde ja auch keine Katzen an.

Wie belesen ist dein Bekannten- und Freundeskreis? Kennst du Menschen, die kein Buch besitzen?

In unserem Haushalt bin ich leider der einzige der liest.

Was für eine Rolle spielen Bücher in deinem Berufsleben?

Da ich zur Zeit ohne Arbeit bin gar keins. Aber auch vorher nicht, ich war Content Manager und Bürokaufmann. In beiden Jobs hatte ich keinen Kontakt mit Büchern.

Brichst du Bücher ab, wenn dir der Inhalt nicht zusagt?

Ja, auch wenn ich versuche das zu vermeiden. Es nagt immer etwas an mir wenn ich das tun muss. Ich lege die Bücher meistens wieder auf meinen SuB und versuche es irgendwann später noch einmal.

Bittet man dich im Freundes- und Bekanntenkreis um Buchtipps?

Nein, von denen lesen die wenigstens und wenn sie lesen dann eher andere Genres und Autoren.

Wenn deine Bücher plötzlich alle verloren gehen (z.B. Feuer, Hochwasser, böse Fee, …), welche drei Bücher würdest du dir sofort neu bestellen?

Eine grausame Frage auf die zu antworten mir schwer fällt. Mir sind all meine Bücher wichtig von daher hätte ich keine Ahnung welche ich zuerst ersetzen würde.

Gehören ein Heißgetränk und Kekse zum Leseabend?

Nein, eher nicht. Das gibt bloß Krümel zwischen den Seiten. 😉

Hörst du während dem Lesen Musik, oder muss bei dir völlige Stille herrschen?

Umso ruhiger umso besser.

Liest du Bücher mehrmals? Wenn ja welche und warum?

Nein, ich habe derart viele ungelesene Bücher, da kommt das eher nicht in Frage. Komplett ausschließen möchte ich es aber für die Zukunft nicht.

Markierst du dir Stellen in einem Buch? Wenn ja wie?

Sehr selten. Gelegentlich bei einem Sachbuch um etwas nachzuschlagen. Das passiert dann meistens mit Zetteln und/oder Notizen.

John Keats – To Autumn

Season of mists and mellow fruitfulness
Close bosom-friend of the maturing sun
Conspiring with him how to load and bless
With fruit the vines that round the thatch-eves run;
To bend with apples the moss’d cottage-trees,
And fill all fruit with ripeness to the core;
To swell the gourd, and plump the hazel shells
With a sweet kernel; to set budding more,
And still more, later flowers for the bees,
Until they think warm days will never cease,
For Summer has o’er-brimm’d their clammy cells.

Who hath not seen thee oft amid thy store?
Sometimes whoever seeks abroad may find
Thee sitting careless on a granary floor,
Thy hair soft-lifted by the winnowing wind;
Or on a half-reap’d furrow sound asleep,
Drows’d with the fume of poppies, while thy hook
Spares the next swath and all its twined flowers:
And sometimes like a gleaner thou dost keep
Steady thy laden head across a brook;
Or by a cider-press, with patient look,
Thou watchest the last oozings hours by hours.

Where are the songs of Spring? Ay, where are they?
Think not of them, thou hast thy music too,–
While barred clouds bloom the soft-dying day,
And touch the stubble-plains with rosy hue;
Then in a wailful choir the small gnats mourn
Among the river sallows, borne aloft
Or sinking as the light wind lives or dies;
And full-grown lambs loud bleat from hilly bourn;
Hedge-crickets sing; and now with treble soft
The red-breast whistles from a garden-croft;
And gathering swallows twitter in the skies.

Walden

Most of the luxuries, and many of the so-called comforts of life, are not only not indispensable, but positive hindrances to the elevation of mankind.

(Henry Thoreau)